Entwicklungs-probleme

Entwicklungsprobleme

Es kann in der Entwicklung neben körperlich und geistig verzögerter Entwicklung auch langfristig zur Entstehung von problematischem emotionalem oder sozialem Verhalten kommen (sogenannte Entwicklungsprobleme). Unterschieden werden internalisierende Störungen wie Ängstlichkeit und Depression von externalisierenden Problemen wie zum Beispiel Aggression oder Delinquenz (= abweichendes Verhalten).

Umschrieben Entwicklungsstörung

Normale Kindesentwicklung

Als Kind erlebter Stress manifestiert sich auf unterschiedlichen Ebenen

Vor allem in der Entwicklung finden viele „zelluläre Grundeinstellungen“ statt. Außerdem sind hier Veränderungen durch das schnelle Wachstum (z.B. Netzwerkaufbau im Gehirn) noch viel stärker möglich als in fortgeschrittenerem Alter. Deshalb sind Einflüsse hier besonders prägend.

Zudem ist das Kind kognitiv noch nicht ausgereift und verfügt über einen geringeren Erfahrungsschatz. Dies hat zur Folge, dass es Stressoren noch stärker ausgesetzt ist, weil es sich weniger gut entziehen kann und über schwächere Bewältigungsmechanismen verfügt.

Stress kann sich auf vieles auswirken:

  • Körperliche Entwicklung (Bsp.: Kortisol= Stresshormon hindert den Organismus an der Wachstumsentwicklung)
  • Sprachentwicklung
  • Gedächtnisentwicklung
  • Verhaltensproblematik, …

Der Einfluss eines objektiven messbaren Stressors (z.B.: Armut, Tod) kann durch Risikofaktoren (z.B.: vernachlässigendes Erziehungsverhalten) verstärkt werden. Schutzfaktoren (z.B. elterliche Reaktivität auf die Bedürfnisse des Kindes) können das Risiko vermindern. So erlebt der Organismus (die Person) den Stressor als mehr oder weniger belastend.

Die Interaktionsvariablen können dabei sehr vielseitig sein und ergeben sich in der individuellen Lerngeschichte. Psychologische Ansätze bemühen sich darum ein Verständnis für das Individuum zu bekommen, indem betrachtet wird, welche Stressoren sich wie auswirken.

Kann Stress abgepuffert werden?

Bei Jugendlichen, welche einen Vortrag halten sollten, wurden Cortisol-Werte (physiologischer Marker für Stress) erhoben. Jene Jugendliche, die vor dem Vortrag mit ihren Eltern anstatt mit einem Fremden sprechen durften, zeigten signifikant geringeren Cortisol anstieg (Doom, Hostinar, Van Zomeren-Dohm & Gunnar, 2015). Spannend – nur bei Jugendlichen in der frühen Pubertät konnte eine statistische Reduktion erzielt werden. Eltern scheinen also vor allem in bestimmten Lebensphasen wichtige Pufferfunktion (durch Stressregulationsunterstützung) zu erfüllen.

Einfluss von Stress auf zellulärer Ebene

Früh in der Entwicklung erlebter Stress hat Einfluss auf zelluläres Wachstum. Nach außen zeigen sich die Folgen in Form von Verhaltensproblemen.

Hanson et al. (2015) erhoben verschiedene Disstress verursachende Faktoren: Vernachlässigung, körperliche Misshandlung und niedriger sozioökonomischer Status. Sie konnten bei Kindern, welche körperliche Misshandlung erfuhren oder einen niedrigeren sozioökonomischen Status hatten, ein vermindertes Zellvolumen in der Amygdala feststellen. Ein Zusammenhang zwischen emotionalem Erleben und Zellphysiologie scheint also zu bestehen und nährt die Hoffnung, dass in Zukunft besser verstanden werden kann, wie Verhalten, Erfahrung und Physiologie zusammen spielen. Mit diesen neurobiologischen Ansätzen kann ein ganz neues Empfinden in der Körper-Seele Diskussion geschaffen werden. Hier sollen keine Erklärungen für Problemverhalten gefunden werden, sondern nur eine Sensitivität für die Vielfältigkeit der Einflüsse auf menschliches Verhalten und Entwicklung geschaffen und dazu angeregt werden, festgefahrene Überzeugungen kritisch zu hinterfragen.

Kinder mit ausgeprägtem Temperament leiden mehr unter elterlichen Konflikten

In der Längsschnittstudie von Hentges et al. (2015) betrachteten die Autoren kindliches Temperament (Reizbarkeit). Kinder mit starkem Temperament entwickeln Verhaltensproblematik in Abhängigkeit von elterlicher Konfliktintensität, es zeigen sich mehr Verhaltensprobleme bei mehr Konflikt. Kinder mit niedrig ausgeprägtem Temperament entwickelten Verhaltensprobleme beinahe unabhängig von elterlicher Konflikthaftigkeit (Hentges et al., 2015). Hier wird deutlich, dass gleiche Faktoren je nach Zusammenspiel mit anderen Faktoren entweder Einfluss nehmen können auf die Entwicklung oder irrelevant sind. Nur weil ein Risikofaktor vorliegt, muss daraus nicht zwangsläufig ein Problem entstehen.

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