Freundschaft

Was bedeutet Freundschaft? Austausch und Stabilität

Die Rolle von Freundschaften und damit verbundenem verbalem Austausch (z.B. bezüglich Ansichten, Interessen, Zielen) ist wichtig für die Entwicklung der eigenen Identität (vgl. Anthony & McCabe, 2015). Andere Menschen helfen die eigene Meinung zu formen, sie inspirieren mit neuen Ideen und ermöglichen Entfaltung in der Interaktion. Nicht jede Freundschaft hat den gleichen Stellenwert. Stabile Freundschaften zeichnen sich dadurch aus, dass beide Parteien die Freundschaftsqualität als hoch einstufen (Hiatt, Laursen, Mooney & Rubin, 2015). Freundschaften, die von einem als hochqualitativ und von einem als nieder qualitativ eingestuft werden, sind bezüglich Stabilität eher vergleichbar Freundschaften, welche von beiden Akteuren als qualitativ niedrig eingestuft werden.

Freunde mit besonderen Vorzügen

Wenn die zwischengeschlechtliche Freundschaft mit sexuellen Extras im Volksmund debattiert wird, so wird oft ein böser Ausgang dieser besonderen Freundschaft prophezeit. Dieser böse Ausgang solcher Geschichten konnte jedoch nicht gefunden werden (Owen, Fincham & Manthos, 2013). Eine bestehende Freundschaft muss dadurch also nicht beeinträchtigt werden. Klar ist aber auch, dass ohne freundschaftliche Interessen daraus auch keine stabile Freundschaft entstehen kann.

Wie viele Kontakte braucht man?

Je mehr, desto besser? Zou, Ingram, & Higgins (2015) belegen den Zusammenhang zwischen größerem sozialen Netzwerk und höherer Lebenszufriedenheit.

Ingroup vs. Outgroup

Die Zuordnung zu Eigen- und Fremdgruppe erleichtert einiges, denn so können Informationen schneller verarbeitet und leichter interpretiert werden.

Jeder hat auf persönliche Erfahrung und Vorstellung beruhend kleine Regeln (sogenannte Heuristiken), die man automatisch nutzt, um Informationen zu sortieren. Diese Heuristiken sind eine Art Filter oder Merksatz (z.B.: „Ein Freund ist jemand, auf den ich mich verlassen kann.“). Da die Heuristiken eine schnelle Zuordnung ermöglichen sind sie auch fehleranfällig. Bei guten Freunden funktioniert die Einschätzung trotzdem ziemlich gut, weil die Erfahrungswerte vielfältig sind. Wenn Personen jedoch zu einer wenig bekannten Gruppe (Fremdgruppe) gehören, so sind die Erfahrungen oft mangelhaft und somit fehleranfälliger – es kann schneller zu Fehlwahrnehmung und Vorurteilen gegenüber Fremdgruppen kommen.

Verschiedene Erklärungsperspektiven zur Entstehung von Vorurteilen

Sozialpsychologisch

Man empfindet Zuneigung der eigenen Gruppe gegenüber, denn mit dieser identifiziert man sich, und Abneigung der Fremdgruppe gegenüber, denn von dieser grenzt man sich ab. Es ist wichtig und gesund für den Menschen, dass er sich selbst als positiv und gut wahrnimmt. Das, was man selbst macht, ist also der eigenen Überzeugung nach sinnhaft und richtig. Das bedeutet auch, dass man die Gruppen, deren Teil man ist, ebenso positiv sieht. Wenn man dann im Umkehrschluss nicht Teil der anderen Gruppe ist, dann kann das Verhalten der anderen Gruppe nur weniger gut sein, sonst wäre man ja schon lange Teil dieser Fremdgruppe.

Kognitiv

Erfahrungen werden kategorisiert. Das Gehirn sortiert also nach Eigen und Fremd. Da nicht alle Informationen verarbeitet werden können, wird manchmal das herausgepickt, was gut zum Sortiersystem passt. Aufmerksamkeit ist selektiv. Das heißt man nimmt eher das wahr, was man gerne wahrnehmen möchte (vgl. Shkurko, 2015).

Neurowissenschaftlich

Neuronale Korrelate geben Hinweis auf unterschiedliche Wahrnehmung von Eigen- und Fremdgruppe (vgl. Molenberghs, 2013). Im Kopf werden andere Netzwerke aktiviert.

Experiment des Gefangenendilemmas

Dieses Experiment zeigt, dass der Abgrenzungswunsch und die damit verbundene Aufwertung der eigenen Gruppe und Abwertung der anderen Gruppe sogar so stark sein kann, dass man eigene Verluste in Kauf nimmt.

Je stärker die Fremdgruppe wahrgenommen wird, desto krasser auch die verzerrte Wahrnehmung. Wenn andere auch sehr gut sind, dann ist es besonders schwer für uns zu rechtfertigen, warum wir dann dennoch unserer Gruppe angehören und nicht der anderen. Indem bewusst oder unbewusst Informationen ausgeblendet und so vermehrt Stärken der eigenen Gruppe und Schwächen der anderen Gruppe wahrgenommen werden, fällt die Rechtfertigung leichter. Diese gesteigerte Abneigung gegenüber starken Fremdgruppen betrachteten Weisel und Böhm (2015) im Kontext von Politik und Fußballverein.

Wer gehört nicht zu mir? Habe ich Vorurteile?

Harvard stellt das bewährte Maß für die Messung impliziter Vorurteile, den Implicit Association Test (IAT, Greenwald, McGhee und Schwartz, 1998), bereit.

Wie funktioniert die Messung mit dem IAT?

Der IAT bedient sich der Tatsache, dass das Gehirn Informationen ordnet. Wenn Informationen stimmig sind, dann kann man schneller die richtige Entscheidung treffen und reagieren, indem man eine Taste drückt. Bsp.: blau + gelb = grün.

Langsamer erfolgt die Reaktion, wenn der Kopf sagt blau + gelb = rot und man nur aufgrund von Erfahrungen weiß, dass die richtige Antwort eigentlich grün lauten sollte. Nach der automatischen Berechnung ‚rot‘ im Kopf muss also noch die Korrektur ‚grün‘ erfolgen, bis der Tastendruck erfolgt. Die Reaktionszeit ist also länger, wenn automatische Annahmen durch gesellschaftliche Auffassungen korrigiert werden müssen.

Unterdrückung von Vorurteilen

Vorurteile können unterdrückt werden, doch das bedarf Rechenleistung des Kopfes und ist somit anstrengend. Bei kognitiver Beeinträchtigung (z.B. nach Alkoholgenuss) ist die Unterdrückung weniger effektiv. Die Hirnregionen, die dafür verantwortlich sind, werden von Knutson, Mah, Manly und Grafman (2007) identifiziert, u.a. der präfrontale Kortex.

Auch ältere Personen haben öfter Vorurteile (Stewart, Hippel & Radvansky, 2009), was auch hier an der weniger effektiven kognitiven Kontrolle der automatischen Urteile liegen kann.

Mehr zum Thema:

Soziale Kontakte

Zwischenmenschlichkeit

Soziale Unterstützung und Lebenszufriedenheit