Schlaf

Schlaf

Der Schlaf ist für den Menschen wie das Aufziehen für die Uhr.

Schlaf ist ein lebensnotwendiger Prozess – neben der Gedächtnisbildung und Emotionsverarbeitung scheinen auch auf molekularer Ebene reinigende Prozesse abzulaufen. Eben alles Prozesse, die notwendig sind für das Funktionieren des Organismus.

Gestörter Schlaf kann Folge von einem gestressten Organismus sein (Ein- und Durchschlafprobleme, Gedankenkreisen), kann aber auch ursächlich für aufkommende Probleme sein (z.B.: Konzentrationsschwierigkeiten).

Der Vergleich zwischen Uhrwerk und Schlaf ist nicht schlecht, denn wir verfügen tatsächlich über eine innere Uhr, welche den Tag-Nacht-Rhythmus regelt. Licht und Dunkelheit führen zu einer Einstellung dieser inneren Uhr. Wenn wir Schlafen und unser Uhrwerk wieder aufgezogen wird, so funktioniert dies in Form von verschiedenen Schlafstadien, in welchen unser Gehirn verschiedene Erregungsmuster durchläuft. Besonders in der Rapid-Eye-Movement (REM) Schlafphase träumen wir skurrile Dinge.

Eine spezielle Form des Träumens stellen Klarträume dar. Diese kennzeichnen sich dadurch, dass der Träumende die Kontrolle über die Inhalte übernehmen kann und sich dessen bewusst ist, dass er momentan träumt.

Schlaf ist relevant

Schlaf wird als erholsam erlebt, dennoch laufen einige wichtige regulatorische Prozesse währenddessen ab.

Emotionsverarbeitung

Das Durchlaufen der Schlafphasen ist notwendig für die Emotionsverarbeitung. Was während des Tages erlebt wird, ordnet das Gedächtnis in bisherigen Erfahrungen ein. Wiesner et al. (2015) belegt die Wichtigkeit des REM-Schlafes (Rapid Eye Movement; eine spezifische Schlafphase in die wir im Laufe der Nacht regelmäßig verfallen) für die Konsolidierung emotionaler Inhalte. Allerdings kann nicht von der besseren Speicherung und Abrufung auf eine höhere emotionale Relevanz der Inhalte geschlossen werden. Das bedeutet, dass nur weil einzelne Situationen besonders gut in Erinnerung sind, diese nicht die prägendsten Erfahrungen sein müssen.

Gedächtnis und Lernen im Schlaf

Das Gedächtnis ist in verschiedene Bereiche untergliedert. Manche betreffen Faktenwissen, andere eher Fertigkeiten. Alle Gedächtnissysteme haben gemein, dass in sie neue Informationen aufgenommen werden können, aber auch Inhalte abgebaut oder revidiert werden. Damit das möglich ist, müssen sich ‚Gehirnnetzwerke‘, welche aus Zellen und Verbindungen bestehen, abwandeln. Das nennt sich Plastizität. Für diese molekularen und elektrophysiologischen Mechanismen, welche mit dem Gehirn geschehen ist ein spezielles Umgebungsmilieu (Arbeitsklima) notwendig. Dieses wird mithilfe des Schlafes eingestellt. Einen Überblicksartikel über Lernen, synaptische Homöostase, Plastizität des Gedächtnisses und die Bedeutsamkeit des Schlafes hierbei liefern Tononi und Cirelli (2014).

Hormonregulation

Einige Hormone werden abhängig von Tag-Nacht-Rhythmik ausgeschüttet. Viele affektive Störungen wie Depressionen gehen sowohl mit verändertem Schlaf als auch verändertem Hormonhaushalt einher. Gestörter Schlaf und fehlerhafte Hormonregulation hängen also zusammen.

Ein 2015 erschienener Überblicksartikel von Chittora, Jain, Suhalka, Sharma, Jaiswal & Bhatnagar (2015) zeigt, wie sich Neurotransmitter wie Histamin, Serotonin und Stresshormone (z.B. Kortisol als Glukokortikoid) im Schlaf verhalten und zeigen, warum Schlaf für eine physiologische (Erregungszustand, Erholsamkeit, reaktive schädigende Sauerstoffmetabolite und Atrophie sowie Plastizität von Hirnsubstanz) und psychologische (Psychose, Depression, Stimmungslage) Balance von so großer Bedeutung ist.

Stresserleben

Schlaf hat vielfältige Funktionen und implementiert somit auch ernsthafte Beeinträchtigungen bei Schlafmangel oder -irregularität. Hinweise auf den moderierenden Einfluss der Schlafqualität und erlebter Stressintensität von Kindern liefert die Untersuchung von Ly, McGrath, und Gouin (2015).

Immunsystem

Das Abwehrsystem ist weniger leistungsfähig, wenn man unter Schlafirregularität leidet. Im Tiermodell zeigten De Lorenzo, Oliveira Marchioro, Greco, und Suchecki (2015), dass Schlafentzug und damit verbundener Anstieg von Stresshormon das Immunsystem durch eine Verminderung der Anzahl an neutralen Killerzellen (Abwehrzellen) schwächen kann.

Anmerkung: die Plastizität des Gedächtnisses scheint bei Demenz eine Rolle zu spielen. Nicht nur der Wissensaufbau, sondern auch der Abbau von nicht benötigten Verbindungen scheinen hierbei gestört zu sein.

Plastizität (LTP, LTD)