Warum macht Essen Spaß? – Genuss

Warum macht Essen Spaß? Was ist Genuss? Welchen affektiven, emotionalen Charakter hat Ernährung und wie kommt dieser zustande?

Geschmackswahrnehmung

Geschmacksknospen der Zunge

… sind spezialisierte Sinneszellen, die verschiedene Geschmacksqualitäten (süß, sauer, salzig, bitter, umami) wahrnehmen können.

Botenstoffe/Signalweiterleitung

… dienen der Weiterleitung von Signalen, die mit der Zunge aufgenommen werden, an das Gehirn. Hierbei lösen unterschiedliche Geschmacksstoffe unterschiedliche Weiterleitungkaskaden aus.

Hirnnerven

… leiten die Information von Geschmack, Temperatur und auch Konsistenz der Nahrung an das Gehirn. Hierbei erfolgt außerdem eine Integration mit Information aus anderen Sinnesorganen wie zum Beispiel dem Geruchssinn.

Affektive, emotionale Bewertung durch das Gehirn

Es gibt spezialisierte Strukturen im Gehirn (namentlich zum Beispiel Amygdala, Insel und Hippocampus), welche der Sinneswahrnehmung die emotionale Färbung verpassen. Man empfindet Genuss oder Ekel.

Aktuelle Befunde – verändertes Geschmackserleben

Durch Temperatur

Unsere Geschmackswahrnehmung wird von der Temperatur beeinflusst. Am Beispiel der Qualität süß zeigen sich zwei Wege wie die Temperatur die Wahrnehmung beeinflusst (vgl. Green & Nachtigal, 2015). Zum einen werden kühlere Speisen weniger intensiv empfunden. Zum anderen erfolgt bei kühleren Speisen schneller ein Gewöhnungseffekt (Adaptation) an den Geschmack, was die Intensität auch mindert.

Über die Lebensspanne

Interessant ist auch, dass die Geschmackswahrnehmung bezüglich derselben Geschmacksqualität über die Lebensspanne wandelt, was sich auch mittels bildgebender Untersuchung des Gehirns (fMRT) gezeigt werden kann (vgl. Hoogeveen, Dalenberg & Renken, 2015).

Emotionen nutzen

Warum macht Essen Spaß? Mit der affektiven Verbindung zu Nahrungsmitteln kann gespielt werden (Moore & Lee, 2012). Die Werbung nutzt positiven Erwartungshaltungen, um Konsumverhalten anzuregen. Natürlich sind daneben auch Geschmacksstoffe, welche besonders starke Emotion und Genuss auslösen hilfreiche Mittel, um zu wiederholtem Konsum anzuregen. Denn Geschmack löst Emotion aus (positive wie auch negative).

So können Sie Ihren Geschmackssinn nutzen, um sich zu belohnen oder in bessere Stimmung zu versetzen.

Schmecken ist also ein Sinn, mit welchem Genuss verspürt wird. Der folgende Beitrag bringt näher, was Genuss ist, welche Regeln es für echtes Genießen gibt und wie kleine „Schmankerl“ des Alltags bewusster empfunden werden können.

Genusstraining

Andersrum kann es auch sein, dass Emotion zuerst steht und dann Geschmackserleben beeinflusst („Etwas schlägt einem auf den Magen.“).

Übrigens…

Wer dankbar ist, greift verstärkt zu Süßem. Ein weiterer Anhaltspunkt, dass Nahrungsaufnahme an Stimmung gekoppelt ist. Schlosser (2015) erklärt das durch die impliziten Annahme, Süßes zu verdienen.

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